Das gute alte Münchner U-Bahn-Leder

Die „Kurzzug“-Macher und das gute alte Münchner U-Bahn-Leder

Pappende Hände, dreckige Schuhe, kleckernde Kinder: Sitzbänke in der Münchner U-Bahn müssen ganz schön was aushalten. Tag ein, Tag aus bringen sie uns zur Arbeit und an die Uni, nachts kutschieren sie uns von der Kneipe ins Bett. Drumherum gibt es Streit um geöffnete Fenster und Liebesgeplänkel, Speibereien und aufmunternde Blicke beim Warten im Tunnel, intime Telefonate und dumme Gaffer. Die U gehört zu uns und hat längst eine Hommage verdient. Jörg Schleburg und Wolfgang Bischoff haben das Label „Kurzzug“ gegründet und schneidern aus altem U-Bahn-Leder lässige Taschen. Mehr über ihre Idee berichtet uns Jörg irgendwo zwischen Großhadern und Giselastraße.

Verrückt nach München: Wie kam es zum „Kurzzug“?

Jörg Schleburg: Die Idee hatte Jörg vor ein paar Jahren ganz spontan. Er saß in der U-Bahn und beobachtete zwei ehemalige Schulkameraden, die sich durch Zufall wiedertrafen. Jörg fragte sich, wie viele solcher Geschichten hier wohl passieren. In den alten Waggons stecken ja 40 Jahre München: Menschen haben sich kennen, lieben und fürchten gelernt. Haben zusammen gefeiert: Sportereignisse, Oktoberfest oder das Leben. Haben gewonnen oder verloren. Frustration, Revolution, Leidenschaft. Olympia, Schwabinger Schickeria, Uschi Obermaier, Monaco Franze. All das und noch viel mehr haftet an diesen legendären Materialien.

VnM: Und wie ging’s dann weiter?

Jörg: Es hat ein gutes Jahr gedauert, bis wir den richtigen Ansprechpartner bei der MVG gefunden haben und ihn dann davon überzeugen konnten, uns die gebrauchten Sitzbezüge zu überlassen. Es waren viele Telefonate und Mails notwendig, um endlich Eintritt in die heiligen Hallen der MVG zu erhalten.
VnM: Wie schwierig war dann die Umsetzung?
Zwei Männer, zwei Macher: Jörg Schleburg (links) und Wolfgang Bischoff

Jörg: Unser spezielles Material hat es in sich. Die Beschaffenheit der Sitzbezüge fordert Mensch und Maschine zum Umdenken und zu außergewöhnlichen Prozessen auf. Aus diesem Grund war mein Kollege Wolfgang in mehreren Produktionsbetrieben in Italien, um den richtigen Produktionspartner für uns zu finden, der Lust auf unsere Idee hat und sich somit auch gerne auch die ungewöhnlichen Materialien und Produktionsschritte einlässt.

VnM: Wolfgang und du seid die Macher hinter „Kurzzug“. Aber wer seid ihr eigentlich?

Jörg: Ich bin der strategische Kopf, habe gut 20 Jahre Erfahrung im Marketing und ein gutes Gespür für die richtige Zeit und den richtigen Ort. Wolfgang kümmert sich hauptsächlich um Produktion und Vertrieb. Er ist seit mehr als 20 Jahren in der Textilbranche tätig und kennt sie daher aus dem Effeff. Die Zyklen, die Gegebenheiten, die geschriebenen und die ungeschriebenen Gesetze.
Die Stadttasche – der Favorit der Kurzzug-Erfinder

VnM: Was ist euer Lieblingsstück – und warum?

Jörg: Ganz klar die Stadttasche. Die Stadttasche ist unser allererstes Produkt. Sie ist mit uns und wir sind mit ihr durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Wir waren und sind immer noch unglaublich stolz, nach vielen Versuchen, die Stadttasche, wie man sie heute kennt, in den Händen halten zu dürfen.

VnM: Was begeistert euch so an München?

Jörg: München ist nicht umsonst eine der lebenswertesten Städte der Welt. Das sagen nicht nur wir, das belegen auch diverse Studien. Natürlich muss man München zu nehmen wissen. Aber im Grunde genommen bietet einem München alles, was das Herz begehrt. Es mangelt hier generell nicht an Möglichkeiten. Der Freizeitwert ist hier absolut top.
Der Wochenender (Bildrechte: „Kurzzug“)

VnM: Was habt ihr als nächstes vor?

Jörg: Mit Kurzzug stehen wir ja tatsächlich noch ganz am Anfang. Auch wenn wir schon seit zwei Jahren an den Produkten und der Marke feilen, sind wir erst seit Anfang des Jahres an der „Oberfläche“. Unsere erfolgreich abgeschlossene Crowdfunding-Kampagne hat uns unter anderem gezeigt, wie stark das Interesse der Menschen an unseren Produkten ist. Wir wollen in Kürze unsere Palette erweitern. Vor allem eine Handtasche speziell für Frauen und ein Rucksack stehen ganz oben auf unserer To-do-Liste.
Wir verlosen zwei der schönen „Kurzzug“-Schüsselanhänger
mit echtem blauen Münchner U-Bahn-Leder (hintendrauf!)
im Wert von insgesamt 50 Euro.
Was müsst ihr tun, um zu gewinnen? Likt uns (und bitte auch „Kurzzug“) auf Facebook und mailt uns dort eine Nachricht mit eurem Geheimtipp für München. Und schreibt bitte euren Namen mit Adresse dazu. Einsendeschuss ist der 15. Juli 2016. Viel Glück!
* Teilnahmeberechtigt sind Personen ab Vollendung des 18. Lebensjahres mit Wohnsitz in Deutschland. Preise werden nicht bar ausgezahlt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.