Alles Liebe – trotz Trotz!

 

Trotzphasen können uns den letzten Nerv rauben. Und Erziehungsratgeber den allerletzten. In unserer anfänglichen Unsicherheit haben wir uns tatsächlich ein paar davon aufschwatzen lassen. Sie lagen dann schnell als „zu verschenken“ im Treppenhaus.

Aber einen haben wir behalten – und würden glatt behaupten, dass er uns zu besseren Eltern gemacht hat. „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn – Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ steht schon seit einem knappen Jahr auf der Spiegel-Bestsellerliste. Zurecht. Trotz des verrückten Titels. Danielle Graf und Katja Seide haben aus ihrem gleichnamigen Blog ein Buch gemacht, in dem sie erklären, wie man sich in den schwierigsten Momenten selbst beruhigt – und sein Kind gleich mit.

Am interessantesten ist der Blick ins Hirn der Kleinen. Wie entsteht ein Wutanfall um scheinbar banale Dinge? Wie erleben Kinder diese Explosion von Emotionen? Sollen wir sie dann schimpfen, um Grenzen aufzuzeigen, oder doch lieber in Ruhe lassen? Beides falsch, sagen die Autorinnen. Gebt euren Söhnen und Töchter das Gefühl, dass ihr da seid, dass ihr das mit ihnen aushaltet, sie versteht und sie liebt. Wenn Worte in diesen Panikmomenten nicht bis zum brüllenden Nachwuchs durchkommen – mitfühlende Blicke tun es. Und sobald wir die Perspektive unserer Kindes besser kapiert und die Herangehensweise aus dem Buch ausprobiert hatten, war der gemeinsame Alltag viel entspannter. Simsalabim!

Die Autorinnen verraten jede Menge Tricks für den Fall, dass ein Kind gerade nicht Treppen steigen oder sich anziehen möchte, ständig wegläuft, nicht ins Bett will, beißt, kratzt, haut, frech wird, neue Windeln ablehnt oder Essen durch die Gegend wirft. Wir haben gelernt, unseren Kleinen mehr zu vertrauen und zuzutrauen, ihnen Zeit zu lassen, damit sie in ihren Augen elementar wichtige Dinge zu Ende machen können. Wir leben Kooperation vor – und sind perplex, wie viel Kooperationswille uns da jeden Tag entgegen kommt.

Trotz-Bücher für Kinder

Das lesen also wir Erwachsenen. Und was lesen unsere geliebten Trotzkis, um zu erfahren, was in diesen verrückten Momenten mit ihnen passiert? Wir empfehlen „Der kleine Trotzdrache“ und „Blöde Ziege – Dumme Gans“ aus dem Schwabinger Verlag arsEdition. Beide Bücher sind offiziell für Kinder ab vier Jahren geeignet, gehen aber unserer Erfahrung nach auch schon gut für Zwei- oder Dreijährige. Die verstehen dann vielleicht den Perspektivenwechsel noch nicht ganz. Aber die Geschichten über Wut und Versöhnung kommen durchaus so rüber, wie sie sollen.

„Der kleine Trotzdrache“ ist eigentlich ein glückliches Tier, bis sich eines Nachts der haarige rote Trotz in seine Höhle schleicht. Plötzlich nörgelt „Fauchi“, er ist wütend und sucht ständig Streit mit den Anderen, obwohl er sich dabei sehr unwohl fühlt. Irgendwann lernt er seine Gefühle kennen und findet einen Weg, den Trotz wieder loszuwerden.

 

In „Blöde Ziege – Dumme Gans“ geht es um die beiden Tiere im Titel. Sie sind beste Freunde, zoffen sich aber mindestens einmal am Tag. In den Geschichten geht es mal darum, einen Fehler zuzugeben und sich zu entschuldigen. Oder darum, etwas zurückzugeben, das man zuvor einfach weggenommen hat.

Manchmal denken wir uns, Erwachsene sollten mehr solche Kinderbücher lesen, um wieder Richtig und Falsch zu lernen…