Ein inspirierender Ratsch mit Johanna, der Designerin des Münchner RECUP-Bechers

Wir kennen sie alle, oder?

Und zum Glück gibt es sie inzwischen überall in München, sogar im Zoo und so:

die RECUP-Becher, die uns dabei helfen, unsere Stadt endlich etwas weniger zu vermüllen.

Im Mai feiert das Start-up aus Obersendling seinen ersten Geburtstag, zu dem wir von Herzen gratulieren!

 

Die wunderbaren RECUP-Becher mit schneller visueller Stadtrundfahrt…

 

Die kleinen Becher sind cappuccinofarben, die großen mint, und untenrum betrachten wir gerne die wunderschöne Münchner Silhouette mit Olympiaturm, Wiesn-Riesenrad und Bergen. Gestaltet hat das die sympathische Johanna Perret, die wir direkt zu einem Interview über den Spaß am Müllvermeiden, das Problem Greenwashing und ein möglichst grünes, sauberes München gebeten haben.

 

Und so funktioniert’s mit den RECUP-Bechern!

 

Verrückt nach München: Johanna, täuschen wir uns, oder wird Umweltschutz gerade wieder hip?

Johanna Perret: Auf jeden Fall! Wenn man die Trendentwicklungen der letzten Jahre beobachtet, gibt es seit einiger Zeit Aufwind für nachhaltige und soziale Themen. Leider führt das natürlich auch zu Problemen wie Greenwashing, und der Schein von Nachhaltigkeit wird für wirtschaftliche Zwecke missbraucht. Trotzdem ist es gut, dass das Thema so auch im Mainstream immer präsenter wird und auch mehr Menschen erreicht, die sich ansonsten nicht mit den Themen beschäftigen würden. Ich wünsche mir, dass die beiden Themen aber auch in der Politik „hipper“ werden, denn ohne neue Gesetze, Verbote, Regelungen oder auch Bildung wird es nicht klappen mit dem Wandel.

 

Verrückt nach München: Du hast dazu einen wichtigen Beitrag geleistet und den RECUP entworfen. Wie kam es zu dem Projekt?

 

Kreativ, humorvoll und sooo sympathisch: Johanna Perret

Johanna Perret: Ich habe meinen Master in „Eco-Social Design“ an der Uni Bozen gemacht – ein ganz neuer Studiengang mit viel Freiheit und genau diesem Themenschwerpunkt. Ich habe mich in mehreren Projekten mit Themen wie Zugänglichkeit von Nachhaltigkeit und Ressourcen-Verschwendung sowie Müllvermeidung beschäftigt, unter anderem mit dem Projekt „NOVO: Erster verpackungsfreier Supermarkt in Südtirol“ und „Holy Shit: Masterarbeit zur Aufklärung über Scheiße als Ressource„. In dem Zug bin ich auf das Rosenheimer Pilotprojekt der RECUP-Gründer Flo und Fabi aufmerksam geworden. Da auch ich mich schon ausführlicher mit der Coffee-To-Go- und Wegwerf-Kultur beschäftigt habe, habe ich einige meiner Gedanken an Flo und Fabi geschrieben, und so sind wir bei einem Kaffee und einem guten Gespräch gelandet. Schnell wurde klar, dass RECUP für mich die perfekte Kombination aus Arbeit und Überzeugung ist und dass auch ich mit meinem Wissen aus Design und Nachhaltigkeit der Idee „Pfandsystem für Coffee-To-Go“ helfen kann. Seit ich mein Studium Ende 2017 abgeschlossen habe, bin ich jetzt fest in München und bei RECUP. Ein Herzensprojekt durch und durch also, denn ich hoffe mit meiner Arbeit nicht nur Visuelles gestalten zu können, sondern eben nachhaltigen Lifestyle, Wissen und Alternativen zu herkömmlichen Lösungen.

 

Verrückt nach München: Welche Vorgaben hattest du, wie frei warst du bei der Gestaltung?

Johanna Perret: Die Möglichkeit, in einem so jungen Start-up mitzuarbeiten, bietet natürlich eine große Spielwiese und viele Freiheiten. Flo und Fabi haben mir beim Aufbau der Marke große Freiheit gelassen und viel Vertrauen geschenkt. Natürlich bringt das Material bestimmte Vorgaben mit sich – hier haben wir sehr eng mit unserem Produzenten im Allgäu zusammengearbeitet. Uns war es außerdem super wichtig, die Marke gemeinsam zu entwickeln, weshalb wir vieles durch Workshops und gemeinsame Brainstormings und in Abstimmungsrunden erarbeitet haben. Ich mag die Arbeit in Teams und gemeinsame Prozesse, das dauert zwar manchmal etwas länger – dafür haben am Ende alle das selbe Verständnis und im Normalfall entsteht direkt ein starkes Wir-Gefühl. Das finde ich vor allem bei nachhaltigen und kritischen Themen sehr wichtig. Mit RECUP wollten wir nicht nur einen Becher designen, sondern viel mehr eine Identität, einen neuen Ansatz. Die #coffeetogorevolution eben. Dazu zählt neben dem Produkt und dem Branding auch die Art und Weise, wie wir kommunizieren, mit wem wir kooperieren, wie wir im Team zusammenarbeiten oder wie wir eben mit dem Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung umgehen.

 

Verrückt nach München: Was würdest du sagen: Wie „grün“ ist München? Hat man es schwer mit Projekten im Nachhaltigkeitsbereich?

Johanna Perret: Da ich selber noch nicht sehr lange in München lebe, will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. In unserem Büro legen wir alle sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit: Wir versuchen Müll zu vermeiden, verpackungsfrei einzukaufen, teilen Essen, sind teilweise Mitglieder bei „foodsaver“ usw. Außerhalb des Büros lerne ich München gerade immer besser kennen und denke, dass Nachhaltigkeit hier vielleicht nicht offensichtlich auf der Straße liegt und an jeder Ecke ganz einfach zu finden ist. Wenn man sich aber dafür interessiert, gibt es tolle Angebote. Im Vergleich zu skandinavischen Städten kann München wie  alle deutschen Städte aber noch einiges aufholen! Als Radlfahrer wünsche ich mir zum Beispiel, dass die Stadt noch radl-freundlicher wird. In der Innenstadt wären weniger Autos und mehr Lebensqualität toll. Und ich wünsche mir natürlich, dass aus unseren zirka 250 RECUP-Partnern in München noch viel mehr werden – so wird es für die Kaffeetrinker einfacher, umweltbewusst zu konsumieren.

 

Verrückt nach München: An welchen Projekten arbeitest du sonst noch?

Johanna Perret: Neben RECUP bin ich auch noch selbstständig. Ich betreue zum Beispiel „Nimm’s lose“, den verpackungsfreien Laden in Rosenheim, bei dem ich beim Konzept und der Gestaltung des Ladens und der Marke mitarbeiten darf. Ich sage bewusst „darf“, weil ich es sehr schön finde, wenn nachhaltige Akteure mir ihr Vertrauen schenken und ich an Projekten arbeiten kann, hinter denen ich voll uns ganz stehe. Ich freue mich deshalb über und auf spannende neue Projekte und bin gespannt, was München mir so bringt.

 

Verrückt nach München: Der RECUP-Becher ist ein echter Münchner – und du?

Johanna Perret: Ich komme ursprünglich aus der Nähe von Rosenheim. Eher ein echtes Dorfkind also. Auf Etappen von Ravensburg über Kopenhagen, Bozen, Rosenheim bin ich jetzt in München gelandet und fühle mich schon ziemlich wohl. Um mich so richtig wohl zu fühlen, brauche ich Berge, Seen und viel Natur in meiner Nähe. Ich finde es super, dass man in München sehr bequem zwischen Großstadt, umliegenden Städten im In- und Ausland und der Natur pendeln kann.

 

Verrückt nach München: Welche Tipps hast du persönlich in Sachen Müllvermeidung? Worauf achtest du?

Johanna Perret: Generell finde ich, dass man das Thema nicht zu verbissen sehen darf. Es ist schwierig, alles von heute auf morgen umzustellen. Aber in kleinen Schritten macht es ziemlich viel Spaß. Ich kaufe prinzipiell Gemüse, Obst usw. immer lose, dazu habe ich meistens Baumwollsäckchen dabei – es geht aber auch prima ohne! So ein Salatkopf in der Hand ersetzt den Blumenstrauß ganz hervorragend! 🙂 Gerade bin ich dabei, mein Badezimmer müllfrei zu machen, eine ziemlich spannende Aufgabe, bei der man natürlich experimentieren muss. Ich trinke tatsächlich selten unterwegs Kaffee. Früher habe ich meine Mehrwegbecher dann oft daheim vergessen. Pfand-Lösungen sind für mich deshalb der Freund und Helfer in der Not. Ich gebe aber zu, dass ich es nicht schaffe, immer und überall müllfrei zu bleiben. Einweg-Verpackungen ist für mich aber mittlerweile tatsächlich ein rotes Tuch. Hier suche ich immer nach Alternativen oder lasse auch mal einen Snack ausfallen.

 

Verrückt nach München: Wie ermunterst du deine Freunde und Bekannten, den To-Go-Becher und ähnlichen Müll sein zu lassen?

Johanna Perret: Ermutigen statt ermahnen! Es bringt gar nichts, Nachhaltigkeitsthemen mit erhobenem Zeigefinger anzubringen. Das schreckt eher ab und die Grenze zum „Besserwisser“ ist oft ziemlich schmal. Durch Witz und Humor klappt es schon besser, auch wenn man zeigt, wie einfach es oft ist. Ich glaube, viele Leute packen das Thema auch deshalb nicht an, weil sie das Gefühl haben, dass „nachhaltiges Leben“ eine sehr große, unbequeme Umstellung ist und alles dadurch komplizierter wird. Wie schön ist es aber, wenn man zeigen kann, dass ein nachhaltiger Lebensstil sogar das Gegenteil schafft: Weniger ist oft ja mehr, und mittlerweile gibt’s vor allem in Städten super simple und bequeme Alternativen.

 

Wie ihr ganz easy Müll vermeiden könnt, erfahrt ihr in unserem Blog-Post
„Wie wär’s mit ein bisschen den Planeten retten?“.